Auch wenn die Corona-Pandemie langsam abflacht, die Hygienevorschriften auf dem Spargelhof Winkelmann sind streng. Das Tragen einer Maske und Abstandhalten sind selbstverständlich. Und auf das Betriebsgelände kommt nur, wer sich vor Ort im eigens errichteten Container testen lässt. „Das ist hier jetzt so,“ sagt Friedrich Winkelmann „Wer das nicht möchte, der kann nicht herkommen. Dann muss ein Telefonat reichen.“ Winkelmann trägt Verantwortung. Nicht nur für seine Kund*innen. Auf seinem Hof sind viele Menschen aus der Region und aus der ganzen Region beschäftigt: Im Direktverkauf, in Cafés und Restaurants und als Erntehelfer. Das sind hunderte Kontakte jeden Tag. In der Hochphase der Pandemie sorgte sich Winkelmann daher durchaus um seine Mitarbeiter*innen und um die ganze Region. „Kaum auszudenken, was passiert, wenn sich hier Corona ausbreiten würde.“ Dass die Hygiene-Vorgaben so konsequent eingehalten werden, ist auch Aufgabe von Andrzej. Dabei versprüht er trotz Hygiene-Maske viel gute Laune! Diese Fröhlichkeit kommt den einem gleich am Eingang mit einem Klemmbrett entgegen und wartet geduldig, bis alle notwendigen Schritte bis zum negativen Testergebnis durchlaufen sind. Wie viele Tests Andrzej so begleitet hat, weiß auch er nicht. „Viele, sehr viele.“

 

Der Spargelhof ist eine Institution und weit über die Grenzen des Landkreises bekannt. Doch das Wort ´Spargelhof´ beschreibt den Familienbetrieb nur unzureichend. Denn hier wird weit mehr als Spargel angebaut. „Wir haben zehn Monate im Jahr Saison,“ berichtet Winkelmann. Erst kommt die Spargelzeit bis Ende Juni, dann die Erdbeeren und schließlich Heidelbeeren und Himbeeren. „Rund um den Jahreswechsel wird es etwas ruhiger, obwohl die Vorbereitungen auf die neue Saison schon ab Oktober beginnen.“ Der Spargel, Winkelmanns begehrtes Aushängeschild wird in ganz Deutschland und sogar nach Skandinavien versendet. Nur in den Osten des Landes kommt das weiße Gold aus dem Mühlenkreis seltener. Denn im Brandenburgischen Beelitz betreibt der Bruder des Landwirts einen weiteren Spargelhof. Einen dritten Hof betreiben die Geschwister zusammen. Zum Winkelmann-Hof gehört ein ganzes Netz von eigenen Verkaufsstellen, zudem Hofläden, ein Café, ein Restaurant mit Biergarten und eine Eisdiele. Das Gespür für Chancen und technische Möglichkeiten scheint dabei eine Spezialität des Unternehmers zu sein. So sicherte er sich dank eines Mitarbeiters schon früh die begehrte Internet-Domain www.spargelhof.de mit der sein Hof im Internet gut zu finden ist. Und in der Hochsaison werden ganze Bustouren zum Spargelesen und Ausflugprogramm mit Moorwanderungen und Museumsbesuchen organisiert. Die Besucher*innen reisen dafür gerne von weit an.

Die technische Infrastruktur des Spargelhofs spielt eine wichtige Rolle bei der Gewinnung der begehrten Saisonarbeitskräfte.

Doch auch wenn der Bauernhof auf mehrere Generationen zurückblickt, ist der Erfolg und die Größe vor allem auf den Weitblick und den unternehmerischen Mut der Gebrüder Winkelmann zurückzuführen. Der erste Spargel wurde 1954 auf dem Hof in Rahden-Tonnenheide gestochen. Einen halben Morgen, also einen Achtel Hektar war die Mitgift der Mutter groß. Eine recht kleine Keimzelle des heutigen Betriebes. Noch bis weit in die 1980er Jahre wurde auf weniger als einem Hektar Spargel angebaut. Doch mit der Öffnung der Mauer erkannten die Winkelmänner ihre Chancen. Seitdem kommen immer mehr Erntehelfer, um die stetig wachsenden Flächen zu bewirtschaften. Der Schlüssel zum rasanten Wachstum. „Spargelernte ist und bleibt Handarbeit. Es gibt zwar Versuche mit Ernte-Robotern, aber die bringen nicht die gewünschten Ergebnisse“ Daher ist das Personal der wichtigste Faktor für eine erfolgreiche Ernte. „Wir haben hier extrem hohe Personalkosten. Eine solche Personalquote ist z.B. in der Industrie undenkbar.“ Und dieses Personal ist kostbar. Die Spargelstecher leisten harte Arbeit und erwarten – neben dem selbstverständlichen Mindestlohn – erstklassige Rahmenbedingungen. Diese Rahmenbedingungen machen den Unterschied. Natürlich spielen die Unterkunft und gutes Essen eine wichtige Rolle. Auf dem Rahdener Hof sorgen daher mehrere eigene Köche für das leibliche Wohl der Mitarbeiter*innen.

 

Das wichtigste aber ist, dass die Kommunikation mit der Familie zu Hause funktioniert. Vor vielen Jahren schon standen daher vier Telefonzellen auf dem Hof. Auch da war der Spargelbauer ein Vorreiter. „Das war ein Hin und Her mit den verschiedenen Währungen und Münzen. Und mit den Telefonkarten und den unendlich vielen Tarifen wurde es auch nicht einfacher,“ erinnert sich Winkelmann. Als die ersten Mobiltelefone auf den Markt kamen, waren seine Erntehelfer schnell damit ausgerüstet. Kein Wunder, wenn das Telefon für viele Monate die einzige Verbindung zur Familie ist. „Als ich noch so einen alten Knochen hatte, liefen die schon mit Smartphones rum.“ Dafür müssen gute Netze her. Wo vor Jahren noch LTE oder 3G der angestrebte Standard war, ist heute eine deutlich höhere Datenübertragung notwendig. Denn der abendliche Anruf aus der Telefonzelle wurde längst durch Videotelefonie ersetzt. Und die Satellitenschüssel wird immer mehr von den Streamingdiensten verdrängt. Der Landwirt hatte von Anfang an verstanden, dass die dafür notwendige technische Infrastruktur Teil seiner Währung bei der Gewinnung der begehrten Saisonarbeitskräfte ist. Daher wurde immer auch in diesen Teil des Wohlbefindens investiert. Die meisten Erntehelfer danken es ihm mit Treue. 85% von ihnen kommen Jahr für Jahr wieder. Ein fester Stamm, auf den der Winkelmannsche Spargelhof langfristig setzen kann. Ein großer Vertrauensbeweis in einer Branche, in der gute Arbeitskräfte europaweit stark umworben sind.

 

Auch die Betriebsabläufe haben inzwischen wenig mit dem romantischen Bild eines Bauerhofes zu tun. Als Mitglied einer Produktionsgemeinschaft ist Winkelmann regelmäßig auf große Datentransfers angewiesen. Mit dem Betrieb in Brandenburg ist der Rahdener Hof über einen Server in Berlin vernetzt. Planung, Anbau, Ernte, Buchhaltung, Personalmanagement, Direktvertrieb und die Gastronomie – das stabil benötigte Datenvolumen ist mit dem jedes anderen mittelständischen Unternehmens vergleichbar. Und daher ist eine gute Internetanbindung auch für einen Spargelbauern durchaus ein Standortfaktor. Wenn Erdbeeren vier bis fünf Tage nicht geerntet werden können, werden die Pflanzen von Mehltau befallen. Und Spargel schießt, wie der Fachmann sagt. Das ist zwar schön anzuschauen, macht aber die Arbeit eines ganzen Jahres zunichte. Eine bedrohliche Situation für den ganzen Betrieb. „Wir haben erlebt, wie schnell das gehen kann. Wenn die Erntehelfer nicht kommen können, sind wir aufgeschmissen. Unsere größten Risiken sind Unwetter, eine Corona-Epidemie und das nicht funktionierende Internet,“ betont Friedrich Winkelmann die Bedeutung einer modernen Infrastruktur.

„Ich habe damals klar gesagt, dass wir in der Region das Glasfasernetz brauchen.“

Da ist es schwierig, wenn die Internet-Leitungen nicht mehr als 13 Mbit hergeben. Manchmal auch nur 9 Mbit, sicher aber nie die offiziell angegebenen 30 Mbit. „Ich weiß nicht, wer das gemessen hat. Aber das waren wohl eher theoretische Werte,“ wundert sich Friedrich Winkelmann noch heute. Als vor 5 Jahren auf einer Bürgerversammlung die ersten Überlegungen zum Glasfaserausbau diskutiert wurden, war er gleich Feuer und Flamme. „Ich habe damals klar gesagt, dass wir in der Region das brauchen.“ Es ist davon auszugehen, dass der imposante Ost-Westfale dies mit Nachdruck vorgetragen hat. Umso größer die Ernüchterung, als der Spargelhof nicht im Ausbaugebiet lag. Die offizielle Datenmenge lag knapp über der Bemessungsgrenze. Mehr als  verwundert war Winkelmann dann, als das so genannte Backbone, also die Glasfaser-Hauptleitung, Anfang des Jahres direkt an seinem Hof verlegt wurde. Das glasfaserschnelle Internet mit der ersehnten Geschwindigkeit von 10.000 Mbit pro Sekunde lag auf der anderen Seite der Straße und somit unerreichbar. Sofort ergriff er resolut die Initiative. Denn die Zeit drängte. „Ab April geht es bei uns hoch her, da kann ich die Systeme nicht mehr umstellen. Und ein weiteres halbes Jahr wollte und konnte ich nicht warten.“ Die Lösung erschien ihm in Person eines GREENFIBER-Mitarbeiters aus der Region. Der versprach baldige Abhilfe. Das Telekommunikations-Unternehmen ist gerade mit der Errichtung des Glasfasernetzes im Mühlenkreis beauftragt und hatte auch die Glasfaser-Leitungen vor Ort verlegt. Doch die Bedingung des Spargelbauers schien auch für das wendige Internetunternehmen etwas zu ambitioniert. Bis zum 31. März sollte der Hof an das schnellste Internet Europas angeschlossen werden. Das ist recht kurzfristig, wenn man sich erst am 15. desselben Monats auf das Projekt verständigt hat. Doch zum Erstaunen einiger hielt GREENFIBER Wort. Dafür musste extra ein Spülbohrer quer durch den Landkreis gefahren werden, der das begehrte Leerrohr ohne Beschädigung unter der Straße durchziehen konnte. In einer Sonderschicht an einem Samstag näherte sich das begehrte Glasfaserkabel dem Hof. Winkelmanns großes Glück war, dass die deutlich zeitintensivere Schalttechnik bereits vorhanden war. Der enorme Aufwand rechnete sich auch, weil der Spargelbauer Winkelmann die umliegenden Häuser mit im Blick hatte. Mehrere junge Familien profitieren so in naher Zukunft von der tatkräftigen Initiative ihres Nachbarn. Doch trotz der hervorragenden Rahmenbedingungen glaubten nicht alle an die Einhaltung des Zeitplans. Denn die Errichtung eines Glasfasernetzes bis zum Hausanschluss kann auch schon mal mehrere Jahre dauern. Und doch hing der Hausanschluss pünktlich an der Wand und signalisierte blinkend die Einsatzbereitschaft. Mit der Geschwindigkeit hatte selbst der stets agile Landwirt nicht gerechnet. Pünktlich zur ersten heißen Phase des Jahres läuft das Internet nun reibungslos.

 

Noch immer kann sich Friedrich Winkelmann an der neuen Technik begeistern. „Das waren früher riesige Schaltkästen und heute hängt da so ein kleines Ding. Da kommt alles durch. Phänomenal!“ 100-mal schneller als das bisherige Kupferkabel. Tatsächlich ist die reine Glasfaser dünner als ein Haar. Und die macht vieles möglich. So wechselt der Landwirt mehrfach am Tag seinen Arbeitsplatz, je nachdem, wo gerade Platz ist. „Eingeloggt und peng- da sind die Daten!“ Und auch seine Erntehelfer profitieren vom neuen Internet. Videotelefonie am Abend ist auch bei vielen parallelen Anrufen ohne Probleme möglich, wenn andere ihre Lieblingsserien in HD-Qualität ohne jedes Ruckeln streamen.

 

Inzwischen blickt der Agrarunternehmer gelassener auf das Jahr und die kommenden Monate. „Bis jetzt sind wir zufrieden, aber wer hätte letztes Jahr gedacht, dass die Corona-Zeit so lange dauert.“ Egal was jetzt kommt, mit dem glasfaserschnellen Internet von GREENFIBER ist der Spargelhof sehr gut auf die Zukunft vorbereitet.